Nach ich de facto (und hoffentlich auch bald de jure) mit meinem Studium fertig bin, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken und mich zu fragen: Was habe ich eigentlich die ganze Zeit gemacht? Als Antwortversuch eine chronologisch gereihte, nicht repräsentative Liste von Lehrveranstaltungen, die mir im Gedächtnis geblieben sind.
Einführung in die Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Hilde Haider-Pregler (WiSe 2003/04)
Meine erste LV überhaupt, wie es sich gehört. Je schlimmer die Situation an den Unis wird, je öfter von Zugangsregelungen und Studiengebühren die Rede ist, umso öfter erinnere ich mich an einen Satz, den sie ganz zu Anfang gesagt hat: “Ich bitte Sie: Studieren Sie nicht in Mindeststudienzeit.” Es sei wichtig, sich Zeit zu nehmen für die Dinge, die eine/n interessieren, und Dinge auszuprobieren. Außerdem genial (und so etwas wie ein Haider-Mairkenzeichen, wie ich später herausgefunden habe): Alternative Scheinerwerbe (also Möglichkeiten, die LV abzuschließen): “Arbeiten Sie 10 Fragen für eine TFM-Millionenshow inkl. falscher Antwortmöglichkeiten aus”.
Movie Mutations, Alexander Horwarth (WiSe 2004/05)
Streng genommen müsste ich mich über diese LV aufregen, da es einen Teilnahmebeitrag gab (um die 11 €, glaube ich). Aber es war eine Blocklehrveranstaltung. Im Filmmuseum. Drei Tage lang abgeschottet von der Welt im dunklen, warmen Saal bis zu sechs Stunden pro Tage ausgewählte Filme sehen und von Alexander Horwath darüber erzählt bekommen. Da kann ich mich nicht aufregen. Und wieder die Möglichkeit zum alternativen Scheinerwerb: Ein zur Veranstaltung passendes Thema bearbeiten, in dem man Ausschnitte aus Filmen sucht und an Hand derer kurz schriftlich die eigenen Überlegungenformuliert, eine Mischung aus Arbeit und Clip-Sammlung quasi . Wir haben damals “Licht und Schatten” genommen, und es war um so viel spannender (uns sinnlicher), als nur einen Text zu schreiben.
Virtuelle Produktionsdramaturgie, Christian Fuchs (WiSe 2006/07)
Ich hatte selten das Gefühl, dass ein/e Lehrende/r etwas von uns Studis will. Christian Fuchs wollte was, nämlich mit uns auf Augenhöhe Stücke, Inszenierungen und dramaturgisches Arbeiten diskutieren. “Auf Augenhöhe” ist zwar eine Worthülse, aber er hat sie ausgefüllt:Es gab jedes Mal eine “Hausaufgabe”, und in der nächsten Stunde wurden einige der Arbeiten von ihm vorgestellt. Nicht aus einer Professoren-Perspektive bewertet, sondern reflektiert und zur Diskussion gestellt. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass er wirklich wissen wollte, wie wir zu den Stücken stehen, dass er Dinge mit uns teilen wollte, die ihn beschäftigt haben, und dass er uns als Menschen ernst genommen und geschätzt hat. Das ist mir vorher und nachher auf diese spezielle Art nie passiert. Umso trauriger, dass Christian Fuchs im Oktober 2008 verstorben ist.
Forschungsseminar zur Filmwissenschaft, Christian Schulte (WiSe 2006/07)
Klingt langweilig, wars nicht. Thema war Filmkritik, konkret hieß dass, das wir (wieder für einen Unkostenbeitrag) Tickets zu zehn ausgewählten Viennale-Filmen bekamen und darüber Kritiken geschrieben haben. Außerdem gabs theoretische Unterfutter zur Theorie der Kritik. Auch eine der wenigen Lehrveranstaltungen, in der sich so etwas wie ein Diskurs entwickelt hat. Dort habe ich das erste (und das letzte Mal) eine Film von Straub-Huillet gesehen habe. CineastInnen würden mir sicher sagen, dass ich ihn nicht verstanden habe, ich bin währenddessen eingeschlafen und habe in meiner Kritik gefordert, diese Filme in Cafés und Clubs laufen zu lassen, um eine angenehme Stimmung zu schaffen.
Medienpraxis – Wissenschaftliches und künstlerisches Arbeiten mit AV-Medien, Otto Mörth (SoSe 2008)
In mehrfacher Hinsicht besonders: Erstens die einzige von mir besuchte LV, die nicht zwei SSt. wert war, sondern vier (Zu Recht, übrigens). Zweitens eine stellenweise wahnwitzige Versuchsanordnung zum Thema Basisdemokratie, die ich aber keinesfalls missen möchte. Sie begann mit den (sinngemäßen) Worten: “Sie werden in Kleingruppen jeweis einen Film drehen. Alle Filme basieren auf dem selben Text. Welcher Text das ist, entscheiden Sie. Gibt es Vorschläge?” Die folgenden zwei Einheiten (Zu jeweils vier Stunden) bestanden aus Diskussionen, welcher Text warum besser sei als alle anderen. Mit 50 Personen in einem ca. 15 m² großen Raum. Auch, wenn mir die Grundproblematik aus meinen Tätigkeiten bei ÖH und VSStÖ gut bekannt war, haben die Rahmenbedingungen das Ganze noch einmal auf ein neues Level gehoben. Trotzdem großartig, die verschiedenen Diskussionsstrategien (Beschimpfung, Polemik, Entertainment) zu verfolgen und zu genießen.
Drittens: Die großartigste Gruppe ever. Wir sind zwar an der Umsetzung unseres Films, so wie wir sie wollten, gescheitert, hatten aber unglaublich viel Spaß dabei: Unter anderem eine Party-Szene mit ca. 30 Mittzwanzigern und einer Achtzigjährigen im Venster (in der ich als Engel mit scharzen Flügeln zu sehen bin), oder eine unglaublich aufwändige Plansequenz quer durch ein Cafehaus mit extra ausgeborgter Steadycam. Ebenfalls eine meine Lieblings-Studiumserinnerungen: Außer dem “Spielfilm” musste jede Gruppe auch noch ein “audiovisuelles Referat” zu einem wissenschaftlichen Thema abgeben. Die Ergebnisse waren teilweise besser, aufwändiger und unterhaltsamer als die “Hauptfilme”. Wir haben dagegen eher auf Wissenschaftspunk gesetzt: Es ging darum, dass bei Textumsetzungen die visuelle Ebene die inhaltliche nicht illustrieren darf, Hauptelemente waren ein H.C. Artmann-Gedicht und eine Topfpflanze. Vielleicht komme ich irgendwann dazu, die beiden Filme auf YouTube zu stellen.
Seminar zu Theorien und Methoden der Theaterwissenschaft: Komiktheorien, Monika Meister (SoSe 2007)
Großartiges Thema. Klingt Speziell, war aber eines der anwendbarstes Gebiete überhaupt für mich. Hier kam mir auch die Idee für mein zweites Diplomprüfungsthema, “Der Flüsterwitz im Nationalsozialismus”.Und, man kann über Freuds Psychoanalyse sagen, was man will, sein Buch über den “Witz und seine Beziehung zum Unbewussten” ist großartig, Hands down. Wenn sich also jemand von euch fragt, warum ihr bestimmte Dinge eigentlich lustig findet: Lest Freud. Oder fragt mich, ich kann stundenlang drüber reden.
DiplomandInnenseminar, Ramón Reichert (WiSe 2010/11)
Ich hab mir gedacht: Jetzt bin ich jahrelang am Boden des Schreyvogelsaals gesessen und hab hauptsächlich zugehört, aber im DiplomandInnenseminar wird es endlich losgehen: Debatte, Disput, Dialog. Nix. Wir waren zu fünfzigst, und haben uns gegenseitig unsere Themen frontalvorgetragen (Ich mit Prezi). Highlight trotz allem: Ramón Reichert, der jedem und jeder konstruktives, nachvollziehbares Feedback gegeben hat und das auch noch unterhaltsam verpackt. Was soll ich sagen, ich bin ein Fan.
Fazit
Die Liste hätte auch doppelt so lang werden können, aber dann hätte sie wohl niemand mehr gelesen. Wichtig zu sagen ist: Das ist eine völlig subjektive Zusammenstellung, die nicht repräsentativ für mein Studium ist.Auch nicht für das TFM-Diplomstudium im Allgemeinen und schon gar nicht für das Bachelorstudium. Über Kommentare, auch und vor allem für nicht-Thewis, wie das so auf euch wirkt, freue ich mich natürlich trotzdem.
